Yoga-Stilrichtungen

Unter dem Begriff Yoga können sich sehr verschiedene Stile und Praktiken wieder finden. Daher möchte ich einige Begriffe kurz erläutern. Bei aller Unterschiedlichkeit möchte ich aber betonen, das die Gemeinsamkeiten im Vergleich mit anderen Sportarten und Lebensstilen doch überwiegen.

Insgesamt reicht die Geschichte des Yoga sehr weit zurück wurde viele Jahrhundert mündlich überliefert, als Teil der vedischen Kultur. Im Mittelalter wurden mit dem Yoga-Sutra von Patanjali und mit der Hatha-Yoga-Pradipika wichtige Teile der Yogaweisheit zusammenfassend niedergschrieben. Es gibt aber viele weitere altindische Schriften und auch moderne Bücher, die Teilaspekte eines umfassenden Yoga-System darstellen. Nur einzelne Richtungen beanspruchen eine innere geschlossene Logik ihres Yoga für sich. Im vedischen Kulturkreis können auch scheinbar widersprüchliche Wahrheiten nebeneinander bestehen.

Hatha-Yoga

Hatha-Yoga ist mit seinen Varianten im Westen am weitesten verbreitet und eher Körperbetont. Die Hauptpraktiken sind Asanas (Yoga-Stellungen), Pranayama (Atemübungen), Shavasana (Tiefenentspannung). Die häufigsten Varianten sind Shivananda-Yoga (Yoga-Vidya), Ashtanga-Yoga, Iyengar-Yoga, Yin-Yoga, Hot-Yoga und weitere spezielle Ausrichtungen.

In der Hatha-Yoga-Pradipika wird betont, das Hatha-Yoga lediglich eine Vorstufe zum Raja-Yoga sei.   Asanas und Pranayama sind nur zwei von 8 Gliedern des philosophischen Yoga-System.

Shivananda-Yoga

Der indische Arzt und Buchautor Shivananda gründete in den 1930ern den einflussreichen Ashram in Rishikesh. Sein Shüler Vishnu-Devanande hat über Yoga-Vidya in Deutschland viel Einfluss. Hier wird integrales Hatha-Yoga gelehrt, welches verschiedene Lebensaspekte in Yoga integriert. Zum Beispiel wird richtige Ernährung und positives Denken im Yoga betont.

Ashtanga-Yoga

ist ein dynamischer und kraftvoller Yogastil mit fließenden Übergängen zwischen den Asanas (und weniger Zwischen-Entspannungen). Die Übungsfolgen sind individueller als in anderen Stilen. Formen und Inhalt können im übrigen zum Hatha-Yoga gezählt werden.

Vinyasa-Yoga

wird auch Power-Yoga oder Vinyasa-Flow genannt. Besonderheit ist, das die Asanas in einem dynamischen Bewegungsfluss praktiziert werden, der durch den Atemrhythmus  gesteuert wird.

Iyengar-Yoga

Iyengar betont die Entwicklung von Kraft und Standfestigkeit und gibt recht genaue Anweisungen für exakte Asanas. Dabei werden Hilfsmittel wie Gurte und Klötze benutzt. Der Stil gehört auch zum Hatha-Yoga.

Raja-Yoga

Raja-Yoga ist das Yoga des Geistes und hat die Beherrschung des Geistes zum Ziel. Die Hauptpraktiken sind Meditationen verschiedener Art. Der achtgliedrige Pfad wird auch Ashtanga genannt und beschreibt Entwicklungsstufen, beginnend mit sittlichem Sozialverhalten bis zum Samadhi (Überbewusstsein).

Kundalini-Yoga

ist hauptsächlich bekannt in der Tradition von Yogi-Bhajan. Es ist das Yoga der Energie-Erweckung.  Im Kundalini-Yoga wird der Astralkörper mit seinen Chakras und Nadis (Energiebahnen ) beschrieben und die Übungen zielen auf Wirkungen in dieser Ebene. Philosophish kann Kundalini-Yoga und Tantra weitgehend gleich gesetzt werden. Allerdings gibt es sehr unterschiedliche Auslegungen und Praktiken im Tantra.

Jnana-Yoga

ist das Yoga des Wissens. Hier werden Fragen gestellt wie „wer bin ich?“, „Was ist wirklich?“. Karma und Reinkarnation werden erklärt. Die Praxis des Jnana-Yoga besteht im Studium der Schriften und des Selbst mit dem Ziel einer Transzendenz. In diesem Sinne kann moderne wissenschaftliche Forschung auch Yoga sein, wenn sie mit dem „Ganzen“ verbunden bleibt.

Bhakti-Yoga

betont die Hingabe und Liebe zu Gott. Durch Gebet, Mantra-Singen, Rituale, Erzählen von Mythen und Heiligen-Geschichten öffnet sich das Herz auch für die Mitmenschen.

Karma-Yoga

ist der Yoga des selbstlosen Dienen und der praktischen Tat. Mit der richtigen Einstellung kann jeder Bereich des Lebens spirituell durchdrungen und jedes Tun zum Wohle aller wirksam werden. Karma-Yoga hilft die Grenzen des eigenen Ego zu transzendieren.

Tantra

ist im Westen vor allem „Neo-Tantra“, ein praktischer Weg und eine Erfahrungswissenschaft, in der Jahrhunderte altes indisches Wissen mit modernen, teilwweise therapeutischen Methoden verknüpft wird. Während in manchen Yoga-Richtungen sinnliche und emotionale Bedürfnisse als Hindernisse auf dem spirituellen Weg gesehen werden, werden sie im Tantra als Motivation und Energiequelle genutzt.

Tantra mit Worten zu beschreiben ist so schwierig wie den Geschmack einer Erdbeere zu beschreiben, ohne hinein zu beißen. Beim Tantra gilt noch mehr, als in anderen Yoga-Richtungen, das das wirkliche Wissen kaum ohne persönlich Lehrer zu erfahren ist.

Mehr Information über Tantra ist u.a. bei www.Tantrazentrum-Leipzig.de zu lesen. Den Geschmack von Tantra gibt es aber nur im Kurs.